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Wie aus einer Presseinformation der Resaphene Suisse AG hervorgeht, hat das Europäische Patentamt das Patent für die Tinnitustherapie tinniwell angekündigt. Bei tinniwell handele es sich nach Angaben des Anbieters um „das weltweit erste Therapiesystem, das es dem Patienten ermöglicht, den Tinnituston selbst zu bestimmen und mittels individuell gefilterter Musik und Wärme zu behandeln – ganz einfach von zu Hause aus und ohne Arztbesuch.“ Dabei biete tinniwell „weit mehr als nur frequenzgefilterte Musik: Im Gegensatz zu anderen Lösungen, die als App auf einem beliebigen Smartphone ausgeführt werden, ist tinniwell ein ganzheitliches Therapiesystem mit aufeinander abgestimmten Komponenten.“ In einer ersten klinischen Anwenderbeobachtung sei eine durchschnittliche Linderung von 54 Prozent binnen vier Wochen bei Patienten mit einem chronischen subjektiven tonalen dekompensierten Tinnitus beobachtet worden, heißt es in der Presseinformation weiter. Tinnitusexperten wie Professor Dr. Gerhard Goebel und auch die Deutsche Tinnitus-Liga sehen das Verfahren jedoch kritisch: Eine einfache Anwenderstudie mit 29 Versuchspersonen kann nicht als wissenschaftlich verwertbare Studie bezeichnet werden. Demnach gebe es keine Belege, dass das tinniwell zugrunde liegende Notch-Verfahren besser sei als Placebo. Auch habe nach Ansicht der Experten aktive Wärme auf den Gehörgang keinen Einfluss auf den Tinnitus, der im Kopf sitze. Das Hauptproblem des Tailor-made notched music training (TMNMT) sei, dass die theoretische Wirksamkeit nur bei tonalem Tinnitus, den nur etwa 20 Prozent der Betroffenen hätten, gegeben sei, so Goebel. Außerdem schwanke die Tinnitusfrequenz im Verlauf von Tagen und Wochen, was die frequenzspezifisch veränderte Musik unwirksam mache. Ein weiteres Problem bei der Tinnitusbestimmung sei die sogenannte Oktavverwechslung. Darüber hinaus müssten die Menschen guthörig sein, um die passende Frequenz für dieses Verfahren überhaupt herauszufinden; wer einen Tinnitus habe, sei das aber meist nicht.   zg/AF/mse

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