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Mehr als 15 000 Menschen seien bislang an der vom Coronavirus ausgelösten Atemwegserkrankung Covid-19 gestorben, die Zahl der nachgewiesenen Krankheitsfälle liege bei mehr als 350 000. Abgesehen von diesen menschlichen Tragödien hat die Pandemie auch Auswirkungen auf die Industrie – lassen doch viele Unternehmen in China produzieren. Ob die Hörsystembranche betroffen ist, haben wir für Sie recherchiert.

Sonova hat seinen Kunden Mitte Februar mitgeteilt, dass nach derzeitigem Kenntnisstand keine Mitarbeiter am Coronavirus erkrankt seien. Damit dies auch so bleibe, habe der Schweizer Hörsystemhersteller in seinem Fertigungszentrum im chinesischen Suzhou vorsorglich umfassende Hygienestandards festgelegt und somit hohe Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen eingeführt, die täglich immer wieder durchgeführt werden. Dadurch verzögere sich die Auslieferung der Produkte. Darüber hinaus arbeiteten noch nicht alle Logistikunternehmen wieder mit voller Kapazität, sodass eine Reihe von Sendungen beim Zoll in und aus China auf sich warten lasse. „Dies bedeutet, dass es im Laufe des Februars zu vereinzelten Versorgungsunterbrechungen kommen kann, die wir jedoch erst Ende März aufholen können“, schreibt das Unternehmen. Das gesamte In-dem-Ohr(IdO)-Produktsortiment sowie das komplette Rechargeable-Portfolio (Hörsysteme mit Akku) seien davon aber nicht betroffen, da diese nicht in China gefertigt werden. Bezüglich seiner einzelnen Marken erklärte Sonova: Bei Hansaton, Unitron und Phonak könne es gegebenenfalls zu Versorgungsunterbrechungen sowie Verzögerungen bei Reparatur- und Serviceleistungen kommen. Davon seien bei Phonak Naída M-SP und Sky M-SP betroffen; diese Produktgruppen stehen nicht Ende Februar, sondern erst Ende März zur Verfügung. Phonak Vitus werde zwar mit Priorität behandelt, dennoch könne es zu längeren Lieferzeiten kommen.

Sivantos (ehemals Siemens) hat ebenfalls Maßnahmen getroffen, um seine chinesischen Kollegen, deren Familien und Kunden zu unterstützen. Infizierte Mitarbeiter gebe es bislang keine – weder in China noch anderen Teilen Asiens. Gleichwohl hat der bayerische Hörsystemhersteller sämtliche Geschäftsreisen von und nach China aus Sicherheitsgründen gestrichen. Für den europäischen Raum werden keine Hörgeräte in China produziert, erklärte Sivantos. Einige Bauteile werden zwar in China von Zulieferern gefertigt, von denen lieferten aber die meisten wie gewohnt. Zusätzlich seien bereits Vorkehrungen getroffen worden, um sicherzustellen, dass auch dann produziert werden könnte, wenn sich die Situation verschlechtere. Widex äußerte sich fast wortgleich wie das Schwesterunternehmen Sivantos zur Liefersituation: „Widex ist bislang nicht von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen. Wir beobachten die Situation aber genau und erhalten täglich neue Informationen zum Stand vor Ort.“

GN ReSound teilte auf Nachfrage mit, dass es wegen des Coronavirus bislang zu keinen Lieferverzögerungen gekommen sei; im GN-Werk in der Hafenstadt Xiamen an der Südostküste Chinas nimmt der dänische Hörsystemhersteller das Sculpting (Formgebung und Planung der Platzierung der einzelnen Bauteile) für die IdO-Geräte vor. GN China habe allerdings die Neujahrsferien um drei Tage verlängert (Anmerkung der Redaktion: Das neue chinesische Jahr begann am 25.01.2020.) Wegen dieser Sicherheitsmaßnahme hätte es zu Lieferengpässen bei den IdO-Geräten kommen können. Darüber habe man die Kunden in einem Brief informiert.

Angesichts der Verlängerung der Neujahrsferien hat auch Starkey in Zusammenarbeit mit seiner Produktionsstätte in China Maßnahmen umgesetzt, um Lieferverzögerungen so gering wie möglich zu halten, erklärte das amerikanische Unternehmen. „Derzeit verlängert sich unsere Lieferzeit der IdO-Systeme von fünf auf acht Werktage. Wir werden voraussichtlich in zwei Wochen wieder die gewohnte Lieferperformance in diesem Bereich bieten können“, lautete die Auskunft am 12.02.2020. Starkey arbeite mit Hochdruck daran, die Lage zu normalisieren. Mitte/Ende Februar wurden bereits die Ressourcen in China erhöht, um den Output zu steigern. Keine Auswirkungen hatte hingegen die Verlängerung der Neujahrsferien auf Standardhörsysteme, Zubehör und Kleinteile sowie Reparaturen.

Oticon Deutschland hat nach eigenen Angaben keine Einschränkungen oder Lieferengpässe, die in Verbindung mit dem Coronavirus stehen. Gleiches gilt für Audifon – weil das im thüringischen Kölleda ansässige Unternehmen ausschließlich in Deutschland produziert.                Nadine Röser

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