Abbildung: Initiative Hörgesundheit

Mehr als 9 Millionen Erwachsene (rund 13 %) ab 18 Jahren in Deutschland halten ihre Hörfähigkeit für gemindert bzw. 9,2 Millionen (11 %) Menschen der gesamten deutschen Bevölkerung. Dennoch erwerben nur 41 % dieser Menschen Hörsysteme. Immerhin 29 % der Betroffenen, denen der HNO-Arzt Hörsysteme empfiehlt, entscheiden sich gegen eine Versorgung. Das sind wichtige Ergebnisse der jüngst vorgestellten EuroTrak-Hörstudie 2022. Es ist die weltweit größte, länderübergreifende repräsentative Onlinebefragung zu Hörverlust und Hörgerätenutzung. Dafür wurden aktuell im Auftrag der European Hearing Instrument Manufacturers Association (EHIMA, Vereinigung der europäischen Hörsystemhersteller) rund 13 500 Personen befragt.

Zwar ist die Nutzung von Hörsystemen seit der vorherigen Befragung 2018 etwas gestiegen, doch die Verantwortlichen erkennen noch viel Potenzial für Aufklärung und Vorsorge. Schließlich belaufen sich die Kosten einer unversorgten Hörbeeinträchtigung in Deutschland auf 39 Milliarden Euro pro Jahr. Deshalb empfiehlt die „Initiative Hörgesundheit“ Hörtests ab 50 Jahren. In diesem Alter hat trotz zunehmender Hörbeeinträchtigungen rund ein Drittel noch nie einen Hörtest gemacht. Fast die Hälfte der Befragten (48 %), die sich selbst als hörbeeinträchtigt einschätzen, wissen zudem nicht, ob die Krankenkasse die Kosten für Hörsysteme übernehmen würde; fast jeder Fünfte (17 %) ist überzeugt, dass sie die Kosten nicht übernimmt. Gleichzeitig denken zwei Drittel (66 %) der unversorgten Hörbeeinträchtigten, dass sie sich keine Hörsysteme leisten können.

Auch die Aufklärung medizinischer Fachkräfte sollte vorangetrieben werden, denn nur 20 % der Hörsystemträger mit hochgradiger Hörbeeinträchtigung wurden von ihnen über Cochlea-Implantate (CIs) informiert. In der Allgemeinbevölkerung haben 69 % noch nie von einem CI gehört.

Erfreulicherweise ist die Zahl der Hörsystemnutzer seit Beginn der Befragung 2009 bis heute um gut 10 % gestiegen (31,8 % zu 41,1 %). Auch die beidseitige Nutzung steigt kontinuierlich auf aktuell 74 %. Getragen werden die Hörsysteme durchschnittlich 8,9 Stunden pro Tag; 28 % der Nutzer tragen sie sogar mehr als zwölf Stunden täglich. Nicht getragen werden lediglich 5 % der verordneten Hörsysteme; zum Vergleich: Verordnete Medikamente bei chronischen Erkrankungen werden zu 20 bis 50 % nicht eingenommen. 59 % der Hörsystemträger sind der Meinung, dass sie sich schon früher hätten versorgen lassen sollen und freuen sich über Verbesserungen ihres Soziallebens und geistigen Wohlbefindens, bessere Leistungen bei der Arbeit und weniger Müdigkeit am Abend.    AF

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