Mit seiner in Buchform erschienen Dissertation „Pädagogische Audiologie für Schulkinder“ hat Markus Westerheide eine umfassende Studie zu Routinekontrollen von Hörgeräteeinstellungen in der Schule vorgelegt. Aus der Perspektive des Hörgeschädigtenpädagogen untersucht er, ob der Einsatz der Hörgerätemessbox die Hörgeräteversorgung der Schüler verbessern kann. Der Leser erfährt, dass regelmäßige Kontrollen wichtig sind, da sich bei einem Drittel der Schüler der Hörstatus im Laufe der Zeit verschlechtert. Die Hörgerätemessbox ist daher ein geeignetes Mittel, denn sie ermöglicht die einfache und objektive Überprüfung der Hörgeräteeinstellungen von Schülern. Gegebenenfalls ist dann die entsprechende Nachstellung durch den Hörakustiker zu veranlassen. Die Ergebnisse können dann mit Sprachverständlichkeitstest und Beobachtungen aus dem Unterricht abgeglichen werden. Anhand der Untersuchung von knapp 300 Schülern am Landesbildungszentrum Osnabrück (LBZH) kommt Westerheide zu dem Schluss, dass „eine Hörgerätemessbox zu der Möglichkeit einer verbesserten Hörgeräteversorgung führt“, und letztendlich zu einer besseren Sprachverständlichkeit.

Vor der Untersuchung führt der Autor, Abteilungsleiter des Pädagogisch-Audiologischen Beratungszentrums am LBZH, in die Begriffsgeschichte der Pädagogischen Audiologie ein und verortet sie als eine zentrale Säule der zeitgemäßen Hörgeschädigtenpädagogik. Der vom Autor gewählte Untertitel „Das ist ein pädagogisches Problem“ weist aber bereits darauf hin, dass er die Hörgerätemessbox nur als Hilfsmittel ansieht. Im besonders lesenswerten Kapitel 2 zur interdisziplinären Zusammenarbeit fasst Westerheide zusammen, was ein Hörgeschädigtenpädagoge als Koordinator aller beteiligten Akteure in der Hörgeräteversorgung – Hörgeräteakustiker, Mediziner, Gesundheitsämter – heute besonders braucht: Beratungskompetenz.

Im Text finden sich zum besseren Verständnis viele Beispiele, Tabellen, Abbildungen und Visualisierungen. Die meisten Teile der Studie sind dennoch ohne Fachwissen in der Audiometrie nicht verständlich. Wer also bei Wörtern wie Aufblähkurve zuerst an die Verdauung denkt, sollte lieber zu einer einfacheren Darstellung (zum Beispiel von Rüter: Die Bedeutung audiologischer Routinekontrollen an Hörgeschädigtenschulen und ihre praktische Durchführung, Zeitschrift für Audiologie 3/2009) greifen. Für alle, die sich professionell mit dem Thema befassen wollen, ist die Lektüre von Westerheides Buch jedoch ein Muss.   Pierre Thomé

 

Pädagogische Audiologie für Schulkinder: Das ist ein pädagogisches Problem, Markus Westerheide

2016 • 192 Seiten • 62 Abbildungen • 42 Tabellen • kartoniert • 29,80 Euro, ISBN: 978-3-941146-59-4

Das Buch kann per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, telefonisch unter 06221-90609-15 oder direkt hier bestellt werden; Bestellnummer ist 59288.

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